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Schlachtblatt | Juli 01, 2026

„Wann wir endlich arbeiten, habe ich gefragt.“

„Wann wir endlich arbeiten  habe ich gefragt.“

Warum Beziehungsarbeit keine Kür ist, sondern die Pflicht.

Intro

 

„Warum müssen wir uns immer mit uns beschäftigen? Können wir nicht mal arbeiten?“

Ein Dauerbrenner in unserer Arbeit. In Workshops, in Führungskräftetrainings, in Auftragsklärungsgesprächen.

Zwei Fragen, die voller nachvollziehbarer Erschöpfung steckt. Voller Druck. Voller Menschen, die liefern wollen und das Gefühl haben, dass alles rund um das Daily Business sie davon abhält.

Aber – was wäre ein SchlachtBlatt ohne lautes ABER – in ihnen steckt auch eine Annahme, die uns teuer zu stehen kommt: Dass Beziehungsarbeit und Arbeit zwei verschiedene Dinge sind. Unsere These: Wer keine Zeit für Beziehung hat, braucht später mehr Zeit für Eskalation.

Eine Milchmädchenrechnung. Und damit herzlich Willkommen im Themenmonat Juli.

 

Input

 

Was ist Beziehungsarbeit eigentlich – und warum ist sie kein Nice-to-have?

Beziehungsarbeit ist die bewusste Pflege der Qualität von Interaktionen, Vertrauen und Verbindung zwischen Menschen in einem gemeinsamen Kontext. Easy, oder?

Klingt nach Mehraufwand? Aber eigentlich findet Beziehungsarbeit schon hier statt:

Bei einem ehrlichen Gespräch, bei einer Frage, die nicht hypothetisch ist, sondern neugierig auf eine Antwort wartet. Beim Aushalten eines unangenehmen Moments und dem Ansprechen schwieriger Themen.

Beziehungsarbeit findet ständig statt – oder sollte – Beziehungsarbeit sollte ständig stattfinden. Tut sie aber nicht. Und deswegen kauen wir da so sehr drauf herum: in diesem SchlachtBlatt, diesen Monat und in all unseren Interventionen. Diese kleinen Momente entscheiden darüber, ob Teams wirklich funktionieren. Stichwort: Ruinöse Empathie. Erinnert ihr euch an die Radical Candor Matrix nach Kim Scott? Das sind die Teams, welchen zwar etwas aneinander liegt, aber die eben nicht auf den Tisch bringen, was sie wirklich beschäftigt. Im Sinne: Stur lächeln und winken – mein eigentliches Befinden schließe ich weg. Echte Beziehungsarbeit findet hier aber auch nicht statt.

Eine Begründung dafür, warum wir an dieser Stelle so streng werden, liefert zum Beispiel der aktuelle Gallup State of the Global Workplace Report 2026:

Nur 20 % der Beschäftigten weltweit sind engagiert bei der Arbeit. In Europa sind es sogar nur 12 %. Das ist der niedrigste Stand seit 2020. Und es ist das zweite Jahr in Folge, in dem das Engagement gesunken ist.

Gleichzeitig zeigt dieselbe Studie: Wenn Mitarbeitende ihre Arbeit als sinnvoll erleben, das Gefühl haben, anderen zu helfen, und das Gefühl haben, Wahlmöglichkeiten zu haben – steigen Wohlbefinden und Engagement signifikant.

Und die Moral von der Geschicht‘: Beziehung schadet Sinnerleben nicht. Sogar ganz im Gegenteil, aber das reimt sich nicht.

 

 

Und noch etwas aus dem Report, das uns bei Schlachtplan in der Arbeit mit Führungskräften nicht loslässt: Unterschiede in Managementpraktiken erklären rund 30 % der Variation in der Gesamtproduktivität – das zeigten Bloom, Sadun & Van Reenen bereits 2016 in einer vielzitierten NBER-Studie, die Gallup auch 2026 noch als Referenz heranzieht. Gute Führung ist kein Soft Skill, sondern ein Produktivitätsfaktor. Und gute Führung – das wissen wir aus unserer täglichen Arbeit – beginnt immer mit Beziehung.

Was wir damit sagen wollen: Beziehungsarbeit ist nicht das, was wir tun, bevor wir arbeiten. Sie ist das, was Arbeit überhaupt erst möglich macht.

Und dieser Monat ist unser Meta-Monat. Denn wenn wir ehrlich sind, schwingt Beziehungsarbeit in fast allem mit, worüber wir bei Schlachtplan sprechen: Psychologische Sicherheit braucht Beziehung. Egofreies Führen ist Beziehungsarbeit in Reinform. Emotionen sind das Rohmaterial jeder Beziehung. Und Muster – unsere eigenen, unbewussten Reaktionsschemata – zeigen sich zuerst in Beziehungen.

Es wird also Zeit, das unser aller Fundament der Zusammenarbeit neu zu gießen.

 

Inside

 

Was euch diesen Monat erwartet:

Wir starten mit einem Beitrag, der den Blick auf die Führungskräfte selbst richtet. Mit unserer These darüber, warum Beziehungsarbeit so oft in den Hintergrund rückt: Wer selbst erschöpft ist, kann keine Beziehungsarbeit leisten. Und das hat Konsequenzen – für Teams, für Kultur, für Leistung.

Zum #methodenmittwoch stellen wir euch das Konzept des Beziehungskontos vor – eine einfache, aber wirkungsvolle Metapher, die zeigt: Jede Interaktion ist entweder eine Einzahlung oder eine Abhebung. Und irgendwann ist das Konto leer.

Im #schlachtplandaily berichtet Lena von einem Moment aus ihrem Schlachtplan-Alltag, in dem die Hürde zur Beziehungsarbeit erst groß war und dann doch den Unterschied gemacht hat.

Und zum Abschluss teilen wir eine Herzens-Empfehlung. Kein Buch, kein Prodcast, sondern… ach lasst euch überraschen.

 

Outro

 

Zum Abschluss wie immer eine Reflexionsfrage für dich:

Denk an eine Arbeitsbeziehung, die sich gerade leicht anfühlt und eine, die sich schwer anfühlt.

Was ist der Unterschied?

Und was hast du dazu beigetragen – in beide Richtungen?

Sieh es als Einladung, genauer hinzuschauen. Denn Beziehungsarbeit findet auch dort statt, wo ich bereit bin, meinen eigenen Anteil zu sehen.

 

Viel Spaß im Juli – und viel Mut zur Beziehung.

 

 

 

 

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